Der Bundesliga-Vor-Blick 2015/2016

„Führung & Führungslosigkeit in Zeiten von Hingabe & Hin-NEHMEN“

dr schwab

Die Bundesliga beherrschen in der Saison 15/16 im Vorfeld sechs Trainernamen.

Einer der ein Jahr nicht da war: Thomas Tuchel.

Einer, der stetig am Niederrhein an sich selbst wuchs: Lucien Favre.

Einer, den keiner auf dem Zettel hatte: Andreas Breitenreiter.

Einer, von dem alle endlich Feuer erwarten: Alexander Zorniger.

Einer, für den nichts als die CL zählt: Pep Guardiola.

Und einer, der gar nicht mehr da ist: Jürgen Klopp.

Das ist so wie an der amerikanischen Börse: Da beherrschen 6 oder 7 große Unternehmen den Markt, der Rest ist Beiwerk, oder eben „freundliche, berechenbare, brave, manchmal geschliffene und durchaus raffinierte“ Billardkugeln. Die braucht man halt, um mitzuspielen.

Wie Jürgen Klopp sich verabschiedete im letzten Saisondrittel war großes Kino: „Es gibt einen dicken Kopf, und der muss weg. Das bin ich!“ diktierte er der Gemeinde in 29 Minuten aus dem Signal Iduna  Park in Dortmund: Pastoral, tränengerührt, selbstverständlich, rhetorisch die Nerven des „gemeinen Fans“ treffend. Das muss mal einer nachmachen. Hiermit sorgte er vor allem in der Wirtschaft für Furore und so mancher CEO kommt ins Grübeln über den Nachahme-Effekt. Klopp konnte der Mannschaft nichts mehr geben. Der Schritt kam schon zu spät, aber sein Abgang erklärte uns eindeutig, wie wichtig das wirkliche „Scheitern im Leben“ für den Erfolg sein kann.

Standing Ovations bei seinen letzten Spielen und geschmeidige Anmoderation für seinen Nachfolger: Thomas Tuchel.

Die „Abgenutzte Leidenschaft“ in Dortmund geht nun der Novize aus Mainz an. Noch nie hat ein Trainer sein Gehalt so steigern können, der ein Jahr von Trennkost gelebt hat und nicht anwesend war. Von 650 000 auf 3,5 Millionen in Abwesenheit zu kommen muss man mal nachmachen.

Tuchels „Körper-, und Sinn-Diät“ trieb ihn zu den verschiedensten „Impulsträgern des Lernens“:Bei dem Ex-Hedgefonds-Manager und Eigentümer des englischen Zweitligisten FC Brentford, Matthew Benham, holte er sich Erkenntnisse der statistischen Evaluierung von Spieler- und Mannschaftsleistungen.Bei manchen Trainingseinheiten tragen Tuchels Spieler GPS Sender. Sie sollen sich hinterher sehen und haptisch reflektieren können.

„Sich selbst spielen zu sehen hat einen großen Lerneffekt“ sagt Tuchel, was ich als Persönlichkeitsentwickler bei den vielen Videoaufnahmen, die wir in den Coachings machen, nur bestätigen kann. Genau das – auch professionell reflektiert – macht den Unterschied.

Tuchel beschäftigt sich zudem mit Gehirnforschung. Ziel ist es, gedankenschnelle Profis auf das Feld zu bringen, die für jede Spielsituation eine Lösung bereit haben. „Jeder Spieler muss es drauf haben, blitzschnell zwischen 4-1-4-1 und 4-4-2 und 4-2-3-1 zu wechseln“, raunt Tuchel.

Eine Weiterentwicklung zu seinem Förderer Klopp und eine Komplementärachse zu seinem Vorbild Guardiola.

Schon als U-19 Trainer in Mainz überraschte er mit ständigen taktischen Änderungen. So schlug er 2009 überraschend das individuell überlegene Dortmund und holte den Meistertitel.Tuchel fügt salomonisch hinzu: “Wir verlangen gerade sehr viel, wir dürfen das Rad nicht überdrehen, wir wollen den Fußball nicht neu erfinden“.

Stimmt natürlich nicht: Tuchel sieht sich insgeheim als Messias aus einem Anreger russischer Fußballschule (jetzt Guardiola – siehe letzter Fußballrückblick), aus dem klopp`schen Leidenschaftsbehaviour und den neuesten Erkenntnissen aus Diäten, elektronischer Technik und Neurowissenschaften.

Dazu geht er ins Detail, was ja kaum einer macht: “Ich bin der Trainer und für alles verantwortlich“, sagt er.

Eine Stange, die nicht richtig im Boden verankert ist oder ein Hütchen, das um Zentimeter verschoben wurde, passt diesem Trainer nicht. Nennen wir ihn den kommenden Trainer mit dem komplettesten ganzheitlichen Ansatz. Er muss das noch beweisen, aber wenn nicht er, wer sonst!

 

Viele erinnern sich noch an diesen legendären Tag am Niederrhein als ein Retter auftrat, der nicht mehr retten konnte und doch das Unmögliche schaffte. Die Borussia vor dem Abgrund zu bewahren.

In Berlin allen Top-Spielern beraubt trat Lucien Favre seinen Dienst an und bleibt für mich der einzige Schweizer Trainer, der in der Bundesliga erfolgreich war und ist.

1993 hospitierte er 2 Wochen bei Barcas Trainer Johan Cruyff und hatte da sein Halleluja. Er schwärmte vom Flachpassspiel, von der Bewegung, von der Kreativität und der höchsten Disziplin, vom Innenverteidiger als heimlichem Spielmacher. Cruyff revolutionierte Barcelona. Und dann ganz Spanien. Ergebnis bekannt.

Favre steht für Ehrlichkeit, Spielintelligenz, Durchschlagskraft und Ordnung. Er nennt das schlicht: Ideen. Favre wirkt immer sehr bescheiden und seine Sprache redundant. Das macht ihn  sympathisch. Dazu hat er wie Tuchel Gespür fürs Detail.

Er kann zwischen Führung und Management unterscheiden. Ergo: Er macht oft alles richtig (Führung) und zudem noch die richtigen Dinge (Management). Auch er dient sicherlich fußballinteressierten Führungskräften als Vorbild.

Favre war als Schweizer Nationalspieler technisch „beschlagen“.Er kämpfte sich als C-Jugendlicher durch alle Fußballliga-Klassen und war dann nach 8 Jahren mit wahrer „Kärrnerarbeit“ ganz oben. „Vielleicht ist es wie bei einem russischen Piloten“, sinnierte Favre lächelnd, „gut werden nur diejenigen, die auf alten Tupolews das Fliegen gelernt haben“.

Offenbar passt auch der Sportmanager Max Eberl in dieses Co-abhängige Gespann. Eberl hat sich seit 2011 freigeschwommen und erstklassige Investments getätigt. Seine Bodenständigkeit passt hier prima zu den Werten des Lucien Favre. Als Kruse, aus Gladbach die 5 Millionen Jahressalär bei Wolfsburg bekam,  sagte Eberl: „Wenn bei uns ein Spieler 5 Millionen haben will, muss er zwei abgeben, die Spitzengehälter sind bei 3 Millionen gedeckelt.“ Sprach`s und holte für den Stürmer den Hannover-Spielmacher Lars Stindl, vielseitig und torgefährlich zu gleich, für das festgeschriebene Schnäppchen von 3 Millionen. Damit für mich WERT-Voller!

 

Pep Guardiolas Fähigkeiten sind bekannt (siehe ausführlich meinen Jahresrückblick 13/14). Für ihn zählt bei diesen Ansprüchen nur der Champions League Gewinn. Insider raten dem Mann aus Spanien dazu „mehr Drehzahl“ aus seinem Energiefeld zu nehmen. Vergebene Liebesmüh: Nach der Gaußschen Normalverteilung bleibt der Mensch wie er ist. Also auch Pep Guardiola.

Ob dabei Hosen platzen oder Wasserflaschen fliegen ist einerlei. Er hat die Bundesliga enorm bereichert, auch wenn er nächstes Jahr nach England geht.

 

Viele vermissen hier sicherlich Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking, Trainer des Jahres 2015.

Der Unterscheid zu den Tuchels, Favres und Klopps ist der: Hecking überzeichnet sich selbst oft sehr. Sein „lautloser“ Sportchef Klaus Allofs ist der Vater der Spielerein- und verkäufe.

Macht im Hintergrund viel richtig: Bei allem Respekt und dem zweimaligen Sieg gegen die Bayern. Ich bin der Meinung, der momentane Erfolg der Wolfsburger hat viele Väter – einschließlich des großzügigen Hauptsponsors und eines exzellenten Sportchefs.

Wenn De Bruyne für 62 Millionen zu Manchester City geht ist Schluss mit lustig.

 

Die Toptrainer der Saison werden für ihr Maß, ihre Verhältnismäßigkeit, ihre Mannschaft und für ihr Potenzial Schalkes Trainer Andre Breitenreiter und Stuttgarts Alexander Zorniger werden.

Beide sind extrem gewandte Systemtrainer, jung und frech, denen man jetzt aus großen Katastrophen kommend, Vertrauen schenkt.

Letzte Chance für Horst Heldt bei Schalke. Breitenreiter wird’s richten.

„Der Krug geht so oft zum Brunnen, bis er bricht.“ dichtete Heinrich von Kleist Mitte des 18 Jahrhunderts. In Schalke ist alles gebrochen, was zu brechen ist. Da kann es nicht schlimmer kommen. Allerletzte Chance für Horst Heldt, der längst wieder bei den Stuttgarter Kickers einen Neustart wagen sollte.

Andre Breitenreiter aus der erfolgreichen Zeit bei Havelse/ Hannover 96 stammend muss alles einführen, was normal sein sollte bei einem Verein. Aber offenbar haben sich die Strukturen derart verkrustet, dass es jetzt einer extremen Rundumerneuerung bedarf. In Schalke gibt es einen 15-seitigen Verhaltens-Kodex der Spieler. Man muss in der Nähe des Stadions wohnen, körperliches Pflegeprogram abhalten, Ernährungspläne, Verhalten gegenüber den Fans üben… Freizeitverhalten, Laktattest etc… Klingt wie die Grundübung des Arbeitsamtes für Schulabbrecher.

Warum gab’s das eigentlich nicht bisher schon? Für die Millionäre?

Es gibt jetzt ein Viererteam, das offenbar mit Argusaugen darüber wacht, dass die Regeln eingehalten werden: Boss Clemens Tönnies, Ex-Trainer Huub Stevens, Ex-Stars Ebbe Sand und Mike Büskens. Wow. Sie alle werden Breitenreiter gewähren lassen müssen.

Denn das wichtigste Gut steht nicht im Regelwerk: Vertrauen und Nachhaltigkeit!

 

Es war die große Chance für die Führung des VFB Andreas Zorniger zu holen.

Er hat nie im Profifußball gespielt, immer höchstens vierte Liga. Schwäbisch Gmünd, Nagold und Bonladen waren seine Stationen. Er arbeitete beim Tennisverband in Württemberg. Ralf Ragnick holte ihn zu RB Leipzig. Die führte er von der vierten Liga in die zweite.

Sein Fußballlehrerdiplom machte er 2012 als Jahrgangsbester mit der Note 1.0.

Zorniger will den „Kloppstil“ von 2012 angehen. Dazu wird er den VFB umfunktionieren. Über 4-3-1-2 und 4-4-2 kommen. Flügelstürmer abschaffen. Revolution im Schwabenland.

Das Chaos in Dortmund damals imponiert ihm: Mut, Tempo und hohes Verteidigen könnte auch aus dem Manager-ABC stammen.

Zorniger geht neue Wege. Er arbeitete lange mit dem Stabhochspringer Tim Lobinger, streut Basketball und Volleyballeinheiten ins Training ein.

Zorniger ist Seiteneinsteiger und Querdenker in vielen Belangen. Das braucht die Liga. Ich traue diesem Trainer einiges zu.

 

Die Clubs im kurzen Einzel-Check.

 

Borussia Mönchengladbach

Ist-Stand:

Innerhalb von vier Jahren hat es Lucien Favre geschafft die Borussia wieder in die Cl zu führen. Kruse und Kramer sind weg.

„Schulz und Dahoud, Christensen und Alvedi, Ndenge und Sow, merken sie sich diese Namen!“ philosophiert Favre in der Süddeutschen. Doppelt besetzt. Innenverteidigung erfahren. Torwart Sommer eine Bank.

Mittelfeld mit Lars Stindl wertvoller geworden. Spielt die 8 oder die 6 gleichermaßen gut. Manchmal zu jähzornig.

Gutes Umfeld. Jugendarbeit stark. Finanzen im Griff. Solide. Präsident halbseiden, hält sich auffallend positiv zurück.

Tabellenplatz:

Erneuter Champions-League-Platz trotz Dreifachbelastung.

 

Bayer Leverkusen

Ist-Stand:

Die jüngste Mannschaft der Liga. Im Schnitt 23,8 Jahre alt. Der Anspruch wurde runter geschraubt. Mittelfeldverluste schmerzlich: Gonzalo Castro, Simon Rolfes beendete Karriere, Reinartz nach Frankfurt. Drmic im Sturm ging nach Gladbach. Kramer ist zwar zurück, aber zu wenig.

Jonathan Tah (19) war am 1. Spieltag bester Mann gegen Hoffenheim. Mit dem 22-jährigen Wendell, bärenstark.

Beiden gehört die Zukunft. War selbst im Stadion. Da keimt etwas Hoffnung. Aber. Mit Lars Bender und Kramer besitzt Bayer nur zwei erfahrene Spieler. Schmerzlich in der Abwehr: Ömer Toprak und Tin Jedvaj lange verletzt.

Gut sind sicherlich Julian Brand (19) – schoss gehen  Hoffenheim das 2:1 – Karim Bellarabi, Mehmedi und Kießling. Aber, alle sind im Abschluss nicht ballsicher und brauchen zu viele Chancen.

Hoffenheim hätte 7 Goals bekommen müssen.

Gut ist, dass man die Erwartungen auf Grund der Abgänge und der Verletzungen heruntergeschraubt hat.

In dieser Verfassung hat Bayer gegen Lazio Rom keine Chance.

Tabellenplatz:

Zwischen 6 und 8 ist möglich. Nächstes Jahr vielleicht Europe League.

 

Borussia Dortmund

Der große Umbruch ist ausgeblieben. Hummels und Gündogan, Reus und Schmelzer sind noch da.

Castro kam dazu von Bayer, Julian Weigl von 1860 und einen neuen Torwart gibt es: Roman Bürki kam von SC Freiburg und wurde die Nummer 1.

Tuchel ist der Star und erfindet die Borussia zurzeit neu (siehe oben). Gut so. Er gibt den beiden Angreifern Mkhitaryan und Aubameyang offenbar die Qualität der Sicherheit, so dass die beiden endlich die vielen Chancen verwerten, die Sie so oft in der letzten Saison vergeben haben. Wie er in Mainz zeigte, macht er junge Spieler relativ schnell zu Leistungsträgern.

Der Niedergang im letzten Jahr ist für Tuchel idealtypisch für den Aufbruch nach oben. Er hat nur einen Feind: Sich selbst im Umgang mit den Medien. Die mag er im Herzen nicht und kann nicht so lange „blechbüchsen“ wie Kloppi, bis ihn auch der letzte Journalist mag.

Da muss sich die Journaille an etwas Neues gewöhnen. Mal sehen wie es wird, wenn der Erfolg ausbleibt.

Tabellenplatz:

Direkter Einzug in die Champions League.

 

Bayern München

Neuer und Ulreich – Top Torhüter. Seit der WM hat Neuer den Ganzheitsfeld-Status erworben wie kein Torwart vor ihm.

Die Abwehr steht wie eine Bank. Mit Boateng, Lahm, Alaba und Benatia. Dazu kommen Martinez und Rafinha. Erfahrene Leute. Badstuber leider nicht mehr.

Das Mittelfeld ist so besetzt wie man es erwartet für einen Sieger wie die Bayern. Alonso, Ribery, Douglas Costa, Müller, Vidal, Thiago – das “who is who” der Mittelfeldgarde. Aber genau das ist auch das Problem von Guardiola.

Im Prinzip fehlt noch eine schnelle Antrittsrakete im zentralen Mittelfeld. Wie Robben.

Das kann zurzeit nur De Bruyne so gut. Um CL Sieger zu werden, muss ein solcher Spieler her. Denn die anderen sind einfach grundsätzlich gut, aber zu langsam oder zu verletzungsanfällig.

Der Coup mit Schweini war richtig. Er hatte keine Chance mehr. Bayern kassierte, und Schweinsteiger noch ein Gnadenbrot bei Manchester. Perfekt. Ein “win-win“-Geschäft.

Ob ein Lewandowski im Sturm reicht, bleibt abzuwarten, aber Guardiola tut sich schwer mit echten Stürmern. Ein Glück, dass der Pole so wandlungsfähig ist. Kein Spieler in der Bundesliga kann den Ball so abschirmen wie er.

Götze täte gut daran den Verein zu wechseln. Guardiola ist nicht sein Freund und das tut beiden weh.

Das Stadion ist abbezahlt Jahre früher, die Sponsoren wachsen weiter, die Geldquellen sprudeln. Mit Gigaset kam der nächste Sponsor aus China. Da flog man unlängst hin, 100 Millionen Follower haben die Bayern dort. Also sind die 35 Millionen für Costa aus der Portokasse schon drin. Andere Dimensionen. Die Bayern zeigen es wirtschaftlich Europa.

Man darf gespannt sein, ob Hoeneß wieder richtig kommt und wenn ja, wie? Ich würde mich freuen, wenn der Leuchtturm wieder an Bord käme.

Guardiola wird bei aller Kommunikation die letzte Saison in München machen. Und das ist auch gut so. Er hat allen eine neue Dimension gezeigt und weiß, dass er im vierten Jahr zu einer Normalität gedeihen würde, die Klopp in Dortmund nicht nutzte, um frühzeitig zu gehen.

Auf das Momentum kommt es an. Und das wird Guardiola nutzen.

Tabellenplatz:

Meister ja. CL Sieger wieder nein. Wenn nicht noch ein De Bruyne  auftaucht. Barca ist zu stark besetzt. Am Ende Adios Guardiola und Gute Reise. Du wirst uns fehlen…

 

Schalke 04

Schalke startet also wieder mal durch. Diesmal offenbar radikal. Was so viel bedeutet wie: „von der Wurzel an“.

Andreas Breitenreiter hatte nur eine Chance, nachdem alle gescheitert waren. Vor allem an sich selbst und ihrem großen Anspruch. Horst Heldt hat viel falsch gemacht.

Es kommen Geis, Di Santo auf den letzten Drücker, Sascha Riether und Caiçara. Schade, dass sich im ersten Spiel in Bremen Matija Nastasic die Achillessehne gerissen hat.

Nur Farfan geht, hat aber letzte Saison kaum gespielt. Von Boateng ganz zu Schweigen. War natürlich auch ein Fehleinkauf. Es geht nur noch mit Bodenständigkeit und einer Demut, die es so nur zu Zeiten der Eurofighter mal gab. So etwas kommt nur durch absolute Not und einen Schlendrian, den nun keiner mehr duldet. Vor allem der treuste Fan nicht mehr.

„Wir werden hoch pressen, jedem verlorenen Ball nachgehen und beim Umschaltspiel den direkten Weg zum Tor suchen“ definiert der Coach seine Spielphilosophie für die Königsblauen.

Dazu muss er die Chancenverwertung verbessern. Uraltmanko der Königsblauen.

Tabellenplatz:

Unter den ersten 6. EL Platz

 

Ein Wort in der Sache der Bundesliga.

 

Wir leben im 21. Jahrhundert. Dietmar Hopp bei Hoffenheim wurde angegriffen. Martin Kind mit dem Konzept 50 plus 1 ebenso, genau wie RB Leipzig ebenso. Kind hat großen Anteil daran, dass es wirtschaftlicher zugehen darf in der Liga. Alle Vereine sind und bleiben Wirtschaftsunternehmen. Bayer Leverkusen und Wolfsburg arbeiten seit Jahren ja nicht anders.

Ich plädiere dafür, dass wir endlich zur Tagesordnung übergehen und die Vereine als das ansehen und behandeln, was sie sind: Vereine als Wirtschaftsunternehmen.

Die Attraktivität des Fußballs hat mittlerweile ja astronomische Höhen erreicht. Dem Anspruch und der Entwicklung sollte man endlich positiv Tribut zollen.

Hintertorkamera, den 3. Schiedsrichter und hochtechnische Analysen sind ehrlich gesagt wichtiger als Kleinkrämerei.

 

1. FC Köln

Die launische Diva vom Rhein hat sich im ersten Jahr der Bundesliga gut geschlagen. Wohl wissend, dass selbst das Geißbockheim verpfändet wurde, muss Sportchef Schmadtke den Gürtel eng schnallen. Die Verfehlungen aus alten Zeiten – es wird noch Jahre dauern, sie auszubügeln.

Aber das Duo Schmadtke/Stöger arbeitet unaufgeregt und erfolgreich. Sie schaffen es sogar, die Kölner Karnevalsmedien ruhig zu stellen. Dafür eine Rakete. Schmadtke ist so eine Art Business-/Sportchef geworden. Er muss kaufen und verkaufen, um den Verein sachte zu entschulden.

Wimmer, der für 250.000 Euro kam und jetzt für 8 Millionen nach Tottenham verkauft wurde, ist da so ein Beispiel. Brillant gemacht. Sportlich wird man sehen. Dazu gingen Säulen aus dem letzten Jahr: Kapitän Brecko, Stürmer Ujah und Daniel Halfar.

Doch die Abgänge wurden gut kompensiert:

Der deutsche U21-Nationalspieler Heintz, Frederik Sörensen aus Turin und Milos Jojic aus Dortmund. Ob Bittencourt wirklich eine Verstärkung wird, hängt vom Trainer ab. In Hannover ließ er ab und an sein Talent aufblitzen. Er scheint das ewige Talent zu bleiben.

Stürmer Modeste, Simon Zoller und Philipp Hosiner machen den Kader im Sturm breiter.

Tabellenplatz:

Mit der Solidität und der Unaufgeregtheit, einer weiter starken Abwehr und Torwart Timo Horn, traue ich Köln einen  sicheren, einstelligen Tabellenplatz zu.

 

1899 Hoffenheim

Manchmal hat man Glück und kann die Sünden der Vergangenheit mit einem Schlag beheben. Roberto Firmino für 41 Millionen Euro nach Liverpool zu verkaufen? Gratulation.

Sponsor Hopp kann aufatmen nach den vielen Stockfehlern der Vergangenheit, vor allem mit Tim Wiese. Der lebt jetzt seinen Traum mit den vielen SAP Geldern. Sei`s drum.

Man muss jetzt sparen, auch in Hoffenheim, sagt Sportchef Alexander Rosen. Neben Firmino gingen auch Modeste, Sven Schipplock, Kapitän Andreas Beck und Salihovic. Das Erstgerippe sozusagen löste sich auf.

Gisdol, ein guter Konzepttrainer (siehe auch meine letzten Bundesligaprognosen) muss jetzt wirklich zeigen was er kann, denn jetzt fährt man die Linie bei Hoffenheim, die man immer wollte: Die Jugend. Von Grischa Prömel, Nicolai Rapp, Benedict Gimber, Nadiem Amiri, Joshua Mees und Phillip Ochs wird man sicher hören. Ex-Jugendtrainer Peters hat hier wirklich im Verborgenen gute Arbeit geleistet. Der zweimalige Olympiasieger im Hockey ist nun allerdings schon einige Zeit beim HSV.

Schnelles Umschalten, vertikale Pässe, hohes Laufpensum, kontrollierte Spielweise. Das will Gisdol angehen. Er gestand Fehler beim Training der letzten Saison ein. Den Spielern fehlte zum Schluss die Frische.

Was in dieser Kükentruppe der technisch limitierte und reiche Russe Kuranyi zu suchen hat, weiß eigentlich nur Gisdol selbst. Das passt einfach nicht. Er hatte seine Zeit in Russland. Sehr erfolgreich. Am 1. Spieltag gegen Leverkusen saß er bei seiner Auswechslung bis zum Schluss regungslos abseits der anderen Ergänzungsspieler und dachte an vergangene Zeiten in Moskau.

Tabellenplatz:

Es wird eine schwierige Saison für Hoffenheim und die „Jungen Wilden“. Mit viel Glück stehen die Kraichgauer am Ende zwischen Platz 10 und 14.

 

FC Augsburg

5. Bundesliga-Saison für den FC Augsburg. Jetzt auf Europa-Tour.

Grandios, Markus Weinzierl. „In  Europa kennt uns keine Sau“ sagt er einfach und deutlich. Aber das war`s auch schon. Keine wirklichen Neuzugänge. Trochowski gleich schwer verletzt. Leihgabe Höjbjerg zurück zu den Bayern. Rakete Baba endgültig zu Chelsea. Das wird verdammt eng werden in der neuen Saison.

Realistische Selbsteinschätzung des Trainers: „Wir wollen das, was wir erreicht haben, stabilisieren und weiter positive Schlagzeilen schreiben. Aber man kann nicht davon ausgehen, in jedem Jahr eine Sensation zu schaffen“.

Kleine Vereine, die mal Europa League schaffen, hatten es immer schwer. Freiburg 2013 steckte sofort im Abstiegskampf, Nürnberg 2007/2008 und Hertha 2009/2010 konnten den Abstieg nicht verhindern.

Der Star ist bei Augsburg die Mannschaft. Unisono. Und das ist gut so! Extrem bescheiden, klug und sympathisch.

Tabellenplatz:

Es wird schwer dieses Jahr. Zwischen 9 und 14 ist alles drin. Mehr leider nicht.

 

Werder Bremen

Werder Bremen, mein eigentlicher Star von der Weser, hat immer mehr mit den Sünden der Vergangenheit zu kämpfen. Werder muss verkaufen, um zu überleben und auf die Jugend setzen. Das kann gut gehen oder auch nicht.

Werder hat die komplette Sturmreihe verloren: Di Santo, Selke, und Nils Petersen. Wow! Abwehrchef Prödl ist nach England.

Zwei neue Spieler gibt’s nur. Torjäger Ujah aus Köln und Torwart Wiedwald aus Frankfurt.

Fünf Talente rücken nach: Eggestein, Lorenzen, Grillitsch, Fröde und Zander. Reicht das aus?

Das Führungsquartett um Eichin, Frings, Schröder und Marco Bode weiß das. Der Trainer Viktor Skripnik hat wieder eine große Aufgabe. Er ist in jedem Fall der richtige Mann am richtigen Ort. „Respekt und Disziplin haben für mich große Bedeutung. Es geht um den Umgang miteinander in der Kabine, im Training, im Spiel. Jeder hat vor Augen die Geschichte von Werder Bremen mitzuschreiben.“ setzt er große Worte.

Da ist der Vater mehr Wunsch des Gedankens. Den großen Aderlass kann man nicht immer ausgleichen.

Tabellenplatz:

Es wird leider schwer für Werder. Sie werden oft um Erfahrung kämpfen müssen. Die 0:3 Klatsche daheim gegen Schalke zeigt alles. Am 1. Spieltag.

Zwischen 10 und 16 sehe ich die Grünen.

 

Hannover 96

„96 alte Liebe“ schmettert Vereinsmaskottchen Dete Kuhlmann bei jedem Heimspiel live in  die Katakomben der HDI Arena.

Im letzten Jahr habe ich exakt den Abstiegskampf der Roten vorausgesagt. 62,5% Manpower des drittbesten Sturmes vor zwei Jahren wurden abgeben. Diesmal geht der beste Mann und Retter der letzten Saison von Bord: Lars Stindl. Er war eine wirkliche Gallionsfigur, wenn auch oft jähzornig.

Jetzt gibt’s den Verbund aus Torwart Zieler, Christian Schulz und Leon Andreasen. Letzterer ist oft verletzt und hält eine Saison sicher nicht durch. Die anderen Neuzugänge sind No Names.

Erdinc (St. Etienne), Felix Klaus aus Freiburg (blutjung), Uffe Bech aus Dänemark, und Benschop aus der zweiten Liga aus Düsseldorf (viel zu langsam).

Die Restgarde aus zwei Jahren erfolgreicher BL-Geschichte ist endgültig von Bord. Dazu Joselu (ein Glück!) weg, Publikumsliebling Ya Konan, Jan Schlaudraff und Bittencourt.

Boss Martin Kind. Einziger ehrenamtlicher Präsident, hat sich extrem verdient gemacht um 96. Ohne ihn gäbe es die Roten nicht in der Liga. Klar. Aber Drumherum hat man die Kommunikation vergessen. Die Problemzonen bei Hannover liegen in der zweiten und dritten Linie. Geschäftsleute, Medien, Ultras, Fans, das Hannover-Umfeld. Alle müssen eine Einheit werden; aber wie sprach Zeuss?

Der Mut zum Absoluten Neuanfang fehlt in Hannover gänzlich:

Ein junger Konzepttrainer a la Breitenreiter, ein sportlich-geschäftliches Aktionsduo – motiviertes Marketing und Servicepersonal – wo ist es geblieben in der schmucken Geschäftsstelle am Robert-Enke-Platz?

Ein Top Mittelfeldspieler und ein Knipser fehlen an allen Ecken und Enden. Und wenn man in die Augen von Frontzeck in Darmstadt schaute, wo sich die Roten hätten 5 Tore fangen können, sah man kein Flackern, kein Feuer, keine Vision – keinen Neustart.

Mit Verwaltung der Geschichte kommt man in der Bundesliga keinen Schritt weiter. Augsburg, Mainz und Hoffenheim haben das erkannt.

Tabellenplatz:

Hannover 96 wird bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen.

 

Mainz 05

Wirtschaftlichkeit und Augenmaß herrschten schon immer in Mainz.  Christian Heidel, Dienstältester Sportchef, macht einen guten Job. Mit Geis und Okazaki nahmen die Rheinhessen 20 Millionen ein. Gratulation.

Aber die beiden Abgänge muss man verkraften können.

Balogun, Sereno, Beister und Danny Latza kamen ablösefrei. Dazu kamen Niederlechner, Fabian Frei (top!) und Yoshinori für knapp 9 Millionen. Frei muss es im Mittelfeld richten.

„Die Fähigkeit und Bereitschaft, sich physisch im Spiel zu verausgaben, sind der Markenkern unseres Spiels und des Fußballs  von Mainz 05.“, sagt Trainer Martin Schmidt, fast wie ein Markenbotschafter von Puma oder Adidas. Und Präsident Strutz fügt hinzu: „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen“. Das passt.

Tabellenplatz:

Egal was passiert, unter den ersten zehn Mannschaften wird Mainz in diesem Jahr zu finden sein. Mehr liegt nicht drin, aber weiter nach unten wird’s nicht gehen.

 

Hamburger SV

Der HSV ist fast unberechtigt in der Liga geblieben, nachdem ein fragwürdiger Freistoß in der Nachspielzeit beim KSC den Klassenerhalt sicherte. Letzte Saison. Schade, denn der HSV benötigt dringend eine lange Regenerationszeit in der zweiten Liga.

Dieser Traditionsclub ist  so „gewöhnungsverwahrlost“, dass man hier nur mit Abstieg helfen kann. Solange in  den Restaurants und Clubs in Hamburg die verschiedenen Grüppchen reden und walten können und der Mäzen Kühne ständig eingreift, wird sich hier nichts ändern. Die Low Performer Van der Vaart, Jansen und Westermann wurden vom Hof gejagt. Zu spät.

Den besten Mann, Jonathan Tah, ließ man nach Leverkusen ziehen. Kein Weitblick, kein Geld, keinen Mut in der Hose. Dazu hat man sich den Treter und Schläger aus Leverkusen Spahic ins Nest geholt. Gratulation!

Diesem Verein ist einfach nicht zu helfen.

Und Trainer Bruno Labbadia ist ja grundsätzlich in Leverkusen, Stuttgart beim HSV schon einmal gescheitert. Arrogant, überheblich und bar jeder Beratungshohheitt. Auslaufmodell. Dass er wieder beim HSV gelandet ist, spricht gegen alle Vernunft einer Weiterentwicklung.

Tabellenplatz:

Schwer zu sagen. Zwischen 18 und 15. Ich wünsche dem HSV den wichtigen und erneuerungswürdigen Abstieg zum Aufstieg.

 

FC Ingolstadt

Alles bleibt beim Alten. Zurück in die Zukunft. 2. Liga – Hot Chili. Ingolstadt premium. 1. Liga. Wow.

Ob Audi hilft? Denke mal nein!

Ralph Hasenhüttls Name ist ja schon Programm und was soll da eigentlich passieren?

Gleiche Mannschaft, gleiches Ziel, gleiches Team. Hintergrund: Sich behaupten. Dazu benötigen die „No Names“ einen guten Lauf und langen Atem. Dazu sind die Neulinge nicht berechenbar. Das 1:0 in Mainz zeigte es am ersten Spieltag. Das könnte so weiter gehen auf fremdem Plätzen. Und das ist das Schöne an der Liga.

Stammtorwart Özcan kriegt dicke Konkurrenz. Norwegens Nationalkeeper Nyland. 24. Ein Manuel Neuer Verschnitt.

Auch Ingolstadt setzt bedingungslos aufs Team. Geht nicht anders.

Tabellenplatz:

Wenn es gut läuft Relegationsplatz.

 

Darmstadt 98

Was Dirk Schuster da letzte Saison vollbracht hat, war einzigartig. Das Wunder vom Böllenfalltor wurde Wirklichkeit.

Mit dem extremen Gedanken von Teamfähigkeit, vielen ausgemusterten oder gescheiterten Spielern aus aller Herren Länder. Dazu erst einmal ein großes Kompliment. Da können sich, wie im Falle Klopp, CEOs und GF abgucken, wie Teamfähigkeit geht.

Es ist möglich, völlig unterschiedliche Sinnes- und Wahrnehmungsstrukturen zusammen zu schmieden. Und erfolgreich zu machen.

Dirk Schuster hat das eindrucksvoll letzte Saison bewiesen. Dabei ist der weitere Weg unerheblich bei den Laien.

Es geht auch nicht ums Überleben. Es geht um das Sammeln von Erfahrung im Oberhaus, der Liga, und der sinnvollen Entscheidungen.

„Ja, wir schießen mit Spatzen auf Kanonen, aber wir waren auch in der zweiten Liga das gallische Dorf mit dem kleinsten Etat und sind nach oben durchmarschiert.“ sagt Trainer Dirk Schuster der FAZ.

Wie Marcel Heller die Hannoversche Abwehr ein ums andere Mal am 1. Spieltag überlief, war schon grandios. Aber da mussten 5 Tore her. Es wurden nur 2.

Sei es drum, Darmstadt wird für die eine oder andere Überraschung sorgen. Mehr aber auch nicht.

Tabellenplatz:

16 bis 18.

 

Hertha BSC

O je, Hertha BSC. Da kommt irgendwie keine Stimmung auf. Zu groß waren die Verfehlungen der Vergangenheit, die sich Sportchef Dieter Hoeneß und Preetz geleistet haben.

Für die Bundeshauptstadt ist Hertha einfach nur eine graue Maus. Und das ist schade.

Da ist kein Spielkonzept erkennbar, keine Vision, keine Zukunft, keine Kreativität. Man verwaltet an der Spree die Fehler der Vergangenheit.

Okay, Mitchell Weiser hat sich gut gemacht bei Bayern. Finde den Jungen entwicklungsfähig. Und auch Darida aus Freiburg ist okay. Aber eine Weiterentwicklung sieht anders aus.

Die Gründe:

Zu hohe Verbindlichkeiten schleppen die Hauptstädter mit. Auf Jahre. Dieter Hoeneß hat zu viel kaputt gemacht. Wie Wolfgang Overath in Köln. Der Investor KKR hat 61,2 Millionen gegeben. Geld weg. Jetzt sucht man neue Geldgeber.

In Berlin sollte man sich Gedanken machen, wie damals in Dortmund. Nur etwas anders: „Hier ist ein unfähiges Team und das muss sofort weg.“

Kein Mensch weit und breit, der wirtschaften kann und die Zukunft im Blick hat. Bedauerlich.

Tabellenplatz:

Zwischen 10 und 18 ist alles drin.

 

VFL Wolfsburg

„Es ist schwer diesen Kader noch besser zu machen“, sagt Sportchef Klaus Allofs. Das stimmt, irgendwie aber auch nicht. Wolfsburgs Umfeld muss besser und professioneller werden.

Und da hat Klaus Allofs recht: „Wir wollen in allen Bereichen die Nummer 1 werden. In der Verwaltung, der Fanarbeit, in sozialen Projekten, in der Jugendarbeit. Das ist ein hoher Anspruch.“

Mit Kruse hat man sich starke Motivation für Bas Dost geholt. Das stimmt. Der junge Arnold müsste längst Nationalspieler sein. Überragende letzte Saison. Die Mannschaft ist auch hinten gut aufgestellt.

Aber alles steht und fällt mit dem Spieler des Jahres – Kevin de Bruyne. Mit 10 Toren und 21 Vorlagen war de Bruyne an der Hälfte der Wolfsburger Tore beteiligt. Seine Spielintelligenz ist, gepaart mit Schnelligkeit in der Liga, vorbildlich. Zahlt Manchester City 80 Millionen, ist er weg.

Tabellenplatz:

Wolfsburg ist doppelt gut aufgestellt, obwohl Schürrle ein Ergänzungsspieler bleibt und als fehleinkauf bezeichnet werden kann. 32 Millionen Euro. Wolfsburg hat letzte Saison das Maximum herausgeholt.

Das wird dieses Jahr nicht gelingen. Guter vierter Platz in der Liga. Gute Vorrunde, CL, aber dann Ende.

Die Bäume wachsen nicht so schnell in den Himmel. Geht de Bruyne noch jetzt auf die Schnelle, wird Wolfsburg maximal einen Europa League-Platz erringen – und das wäre viel.

 

VFB Stuttgart

Powerfußball mit Herz und Mut. Das will er spielen lassen. „Gut so!“ sagt VFB-Coach Alexander Zorniger (Portrait siehe oben). Ich denke, er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle.

Die Defensive wurde verstärkt. Insua aus Madrid, Rupp aus Paderborn. Torhüter Nr. 1 wird Polens Nationaltürhüter Tyton werden.

Die Spielstarke Offensive bleibt zusammen. Der tschechische U21-Nationalspieler Jan Kliment kommt dazu. „Ich möchte, dass meine Mannschaft mit Emotion und Mentalität spielt. Man soll unseren Fußball nicht nur sehen, sondern auch spüren!“ sagt der Coach. Als Kind stand Zorniger in der Fankurve.

Er ist irgendwie als Querdenker sympathisch und notwendig für die Liga.

Einzig der Sportchef bereitet mir Kopfzerbrechen. Als Trainer in Freiburg, Leverkusen und Bremen gescheitert, verfügt der gute Mann nicht über das wichtigste, was ein  Koordinator haben muss: Empathie. Was er in Bremen angerichtet hat, ist gewaltig. Den Satz: „Da, wo Dutt ist, ist immer unten“ kann man bestätigen. Vielleicht ist er administrativ besser. Das muss er aber noch zornige Stuttgarter beweisen lassen. Schauen wir mal.

Aber wer einen gescheiterten Trainer Dutt mit einem 3,2 Millionen Vierjahresvertrag ausstattet, der muss schon fast „lebensmüde“ sein.

Tabellenplatz:

Wenn man Zorniger lässt, einstellig.

 

Eintracht Frankfurt

„Ich möchte träumen, ich möchte schauen, wo das Limit ist.“ sinnierte Neu- und Alttrainer der Frankfurter, Armin Veh. Recht so. Ein Trainer braucht Visionen. Warum Veh allerdings wieder kommt, bleibt mir ein Rätsel.

Veh setzt auf sauberes Kurzpassspiel und modernes Spielverständnis. Im Gegensatz zu den langen Bällen nach vorne von Vorgänger Schaaf.

Letzte Saison gab es das Sturmduo Meier/Seferovic. Diese Saison kommt Luc Castaignos (22) von Twente Enschede dazu. Spielte auch für Feyenoord und Inter Mailand. In 151 Spielen in Holland schoss er 51 Tore. Da bahnt sich was an…

Schaaf versuchte es noch mal. Aber sein 4-4-2 geht dauerhaft nicht. Ob er dann auch noch gemobbt wurde, ist Auslegungssache. Schaaf hatte große Momente. Ich wünsche Ihm alles Gute. Er wird ewig mit den großen Erfolgen von Werder Bremen verbunden sein. Mehr geht nicht.

Die Zeit geht weiter.

Der Erfolg von Eintracht Frankfurt hängt einzig und allein daran, ob Armin Veh der Mannschaft das schnelle Umschaltspiel erklären kann.

Eintracht Frankfurt war für mich letzte Saison die statistisch schwächste Mannschaft der Liga. Das beweist die enorme Auswärtsschwäche.

Tabellenplatz:

Sechs bis zehn.

 

Was wir uns merken müssen:

Ich habe eine Statistik aufgestellt. Niemals hat man mehr in der Bundesliga Spielern vertraut, die aus U21- und U20-Mannschaften kommen. Das ist gut so. Und der Kaiser hat noch immer Recht, als er vor Jahren forderte:

„In jeder deutschen Bundesligamannschaft müssen mindestens 6 deutsche Spieler stehen“. Genau das wäre erstrebenswert.

Aber der deutsche Nachwuchs von U 19 bis U21 ist schon eine Bank. Die Nachwuchsarbeit des DFB exzellent.

Sechs Top Talente sollten wir uns merken:

 

1. Jonathan Tah (19, Bayer Leverkusen), Innenverteidigung.

kam vom HSV. Spielt hinten in der zentralen Verteidigung. Schnell, umsichtig, robust. Mit Zug nach vorne. Ähnlich wie Hummels in Dortmund. Nicht so erfahren,  aber schon abgeklärt. Gegen Hoffenheim am 1. Spieltag bester Mann auf dem Platz. Der junge Mann hat Raum nach oben.

 

2. Joshua Kimmich (20, Bayern München), Defensives Mittelfeld.

Kam vom VFB Stuttgart. Als Alonso (33) gegen Inter Mailand in der Vorbereitung ging, kam Kimmich.

Er ist der spielintelligente Eröffner. Beherrscht jetzt schon peripheres Sehen. Ungewöhnlich. So jung. Aufbauspieler und Abfangjäger zugleich. Da reift etwas heran.

Noch nie hat sich ein junger Spieler als Neueinkauf wirklich bei den Bayern durchsetzen können. Vielleicht ist Kimmich der erste.

 

3. Timo Baumgartl (19, VFB Stuttgart), Innenverteidigung.

Als 18jähriger rutschte er in der letzten Saison in die Startelf. Verteidigte diesen Platz eisern. Ruhig am Ball. 1.90, stark in der Luft, macht sich am Boden klein. Offenbar biomechanisch gut geraten. Treibt auch die Offensive.

 

4. Maximilian Eggestein (18, Werder Bremen), Offensives Mittelfeld.

Ballannahme exzellent. Nimmt dabei technisch kaum Raum in Anspruch mit seinem Gegenspieler. Das sieht nicht nur elegant aus,  sondern ist auch effizient. Das muss er haben weil er körperlich noch nicht Bundesliganiveau hat.

Doch im Wahrnehmen, Sehen und Handeln liegt seine Stärke. Schnelles, schnörkelloses Passspiel.

Den tödlichen Pass kann er in Bremen wie kein anderer spielen.

 

5. Leroy Sane ( 19, Schalke 04),  Offensives Mittelfeld, Außenbahn.

Technisch perfekt. Gegen Madrid ein Tor am 10.3.2014. Macht viel linear. Und mit sich selbst.

Ihm fehlt der Überblick wie Eggestein. Daran muss er arbeiten.

Wenn das gelingt und Breitenreiter ihm da hilft, geht’s ab.

 

6. Julian Weigl (19, Borussia Dortmund), Defensives Mittelfeld.

Großes Raumverständnis, immer anspielbar für seine Mitspieler. Sorgt für Balance, geschicktes Zwei-Kampfverhalten, Passsicherheit und Kreativität. Aus so etwas wachsen Tuchel Träume.

Er könnte „der Mann“bei Dortmund werden.

 

Liebe Freunde des gepflegten Kurzpassspiels,

wir haben nur Bruchteile dessen aufnehmen können, was uns alle bewegt. „Panem et Circenses“.

Wir freuen uns auf Reaktionen und Mails zu meinen Einschätzungen.

Bis dahin zu den nächsten besonderen Ereignissen.

In 14 Tagen haben wir einen Relaunch des Internetauftrittts. Dann können sie unsere Beiträge auch wieder öfter lesen.

 

Ihr Christoph Schwab

1 Antwort
  1. Andreas Klette
    Andreas Klette says:

    Hallo Christoph,
    mit großem Interesse habe ich den Blog gelesen. Seit unserem letzten Treffen aus Nov. 2014 ist in der Liga sehr viel passiert. Speziell im „schwarzgelben“ Lager. Erinnere mich, wie wir beide über die Dinge, die in Dortmund in den nächsten Monaten kommen könnten, philosophiert haben. Das Kloppo ab 2015/2016 kein Trainer mehr beim BVB sein würde, war klar. Jedoch hat er es auch wieder geschafft, aus einer, scheinbar aussichtslosen Lage (Platz 18), mit Hilfe von Worten und gut überlegten Taten und der entsprechenden Rethorik, die Fangemeinde, die Mannschaft und auch das übrige interessierte deutsche Fußballvolk in seinen Bann zu ziehen, um am Ende doch noch ein Ergebnis vorweisen zu können, was ihm Kompetenz und überdurchschnittliche Fähigkeiten im Bereich „Menschsein“ belegt. Mit der Form und der Bekanntgabe des Zeitpunktes des Abgangs hat keiner gerechnet. Genauso überraschend, wie aktuell in Gladbach. Zumindest ist das mein pers. Empfinden. Favre hat „äußerst bescheiden“ seinen Abgang durchgezogen, jedoch diesmal nicht „redundant“. Er wirkte immer ehrlich, ordentlich, bescheiden, jedoch nach der Art und Weise seines Abgangs ist er, wie Du es beschrieben hast, leider kein Vorbild für Führungskräfte. Zumindest für mich nicht. Eine gute Führungskraft läuft nicht bei dem erstbesten Problem davon. Hier zeigt sich eine gute Kraft, wie diese die Probleme angeht, auch wenn am Schluss ein gewünschtes Ergebnis ausbleibt. Heya Kloppo. Mein Wunsch ist es, eines Tages einen Vortrages über Führungsqualitäten durch Klopp zu „erleben“. Klopp hat für mich die Fähigkeiten, durch seine Art und seinen Stil, fesselnd, kurzweilig und ehrlich, Dinge an den Mann zu bringen, die haften bleiben. Unser gemeinsames Wochenende in Hagen im Nov. 2014 hat mir übrigens sehr großen Spaß gemacht. Das passiert nicht oft, wenn für uns Führungskräfte der alljährliche November naht, dass wir positiv zurückblicken.
    Viele Grüße aus Lüdenscheid
    Andreas Klette (HEYA BVB)

    Antworten

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