Die Magie CHANGE MANAGEMENT als Muss…

Warum Bayern München mit Carlo Ancelotti noch stärker wird. Was können Führungskräfte und Angela Merkel daraus lernen?

Als am 4. Juli 2013 ein spanischer Trainer deutschen Boden betrat oder besser von links kommend – irgendwie deutsch sprach – in Turnschuhen und Bluejeans, war klar: Hier wurde eine Zeitenwende eingeleitet.
Pep Guardiola hat die Mannschaft, die Bundesliga, die Wahrnehmung von außen und die Kommunikation entscheidend verändert.
Ballbesitz, Kurzpassspiel auf engstem Raum, Spielsysteme wechselnd wie die Meinungen im Spiel, er hat die Spieler flexibler denkend und handelnd geformt – durch Leidenschaft fürs Spiel – nicht als „Order-per-Mufti-Prinzip“.
Er hat erfolgreich versucht, den Spielern eine 360-Grad-Philosophie näher zu bringen:
„Handele so, dass Du in jedem Moment als Außenverteidiger, Flügelstürmer, halbe 6 oder als falsche 9 agieren kannst! Sei bereit, Dich in jeder Phase Deines Fußballer-Lebens blitzschnell von 3-4-3 auf 5-2-1 oder 4-4-2 zu verändern.“
Wenn es so etwas wie schwarmintelligentes Verhalten wirklich gibt, hat es Pep Guardiola geschafft in München den Fussball zu kultivieren.
Wir nennen das neuhochdeutsch heute: Transformationale Führung.
Das ist die eigentliche Leistung des immer eloquenten Spaniers, der uns allen die starre, feste germanische Tür zum „Spielfirmament“ geöffnet hat.
Spielkulturell, sozio-psychologisch, kommunikativ, weltoffen, agil und einfach.

Seine wirkliche Leistung aber ist eine ganz andere: Die nämlich, dass er jetzt geht.

Wir wissen aus der Veränderungspsychologie wie wichtig es ist, den richtigen Moment zu erwischen, wirklich zu gehen. Einen Neuanfang zu beginnen und dem alten Unternehmen die Möglichkeit der Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Der berühmte Satz „Wenn es am schönsten ist soll man gehen!“ ist mittlerweile soziologisch, psychologisch und auch neurowissenschaftlich mehrfach bewiesen.
In der Gewohnheitsbewahrung wird dieses Vorhaben zwar erkannt aber gemieden wie der „Teufel das Weihwasser“.
„Es ist ja so schön, so warm, so nett, so erfolgreich, es läuft doch alles gut…aber…“.

Sie kennen diese Sätze aus den Vorstands- und Geschäftsführer-Etagen der Unternehmen zu Hauf. Oder es kommen jetzt die McKinseys, BCGs oder Bergers ins Spiel, um sich ein Alibi für die Nicht-Entscheidung zu holen.

Motto:
„Nachdem wir das Ziel aus den Augen verloren hatten verdoppelten wir die Anstrengungen.“

Machen Sie den berühmten Versuch mit den Fröschen.
Wenn Sie einen Frosch in eine Tasse mit Wasser legen und ganz langsam erwärmen, stirbt der Frosch unweigerlich. Irgendwann.
Lassen Sie ihn in heißes Wasser springen, er springt sofort wieder heraus.

In wievielen wirklich wichtigen Momenten muss man einfach die Köpfe wechseln, weil sie sich aufgebraucht haben,
weil sie keinen Input mehr bringen und die Mannschaft nicht mehr erreichen können, weil sie jetzt möglicherweise woanders wichtiger sind, aber eben nicht mehr hier?

Der größte Klebstoff ist die Gewohnheit. Wenn sie gut gepasst hat, will man sie verteidigen bis „aufs Blut“. Wenn sie nicht mehr geht, schwört man auf die Vergangenheit und sagt:
„Das wird schon wieder. Bloß nicht die Pferde wechseln. Hat doch immer gut gepasst.“
Die Verklärung der Erfolge vor dem Hintergrund der Nicht-Entscheidung und vor allem davor, bloß keine Verantwortung zu übernehmen. Für sich und den Verein oder das Unternehmen.

Helmut Kohl war genau wie jetzt Angela Merkel machtversessen und veränderungsresistent.

Helmut Schmidt hat immer gesagt:
„Gut, vier Jahre mach ich es, aber dann muss ein anderer kommen und acht Jahre sind zu viel!“. Er wusste warum…
Das amerikanische Wahlsystem lässt nur zwei Amtszeiten zu. Recht so. Fast zu lang…
Und als Kloppi vor einem dreiviertel Jahr vor die Presse trat und sagte: „Es gibt hier einen dicken Kopf, der muss weg. Und der bin ich“ war das seine wirklich letzte Überlebens-Chance der positiven Erinnerung. Zwei Jahre zu spät, aber brilliant gemacht. Er wurde am nächsten Tag im Stadion gefeiert, wie jetzt auch als Neuanfang an der Anfield Road.

Pep Guardiola hat uns alle positiv verändert. Seine Aura war immer eine Besondere, er hat alle Spieler geliebt – nach aussen – und nach innen (Pause) das Schachspiel aufgestellt.
Als der hitzige Mandžukić ihn öffentlich angriff, hatte dieser keine Chance mehr. Aber wie er ihn dann behandelte, war großes Kino: Immer respektvoll, immer wertschätzend ob seiner Leistung.

Pep Guardiola hat Deuschland leichter denkend gemacht.
Geöffnet für die vermeintliche „Leichtigkeit des SEINS“ und des Da –Seins.

Jetzt kommt der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt.
Der erfolgreiche zweite Mann: Obwohl in der Summe viel erfolgreicher als Guardiola – Carlo Ancelotti.

Er ist genau der Mann, der jetzt die Spielphilosophie und die taktischen Varianten bei Bayern München bestmöglich weiterentwickeln kann. Ancelotti ist ein Welt-Trainer, hat alles gewonnen und kann mit den Stars umgehen. Er ist extrem belastbar und führt erfolgreich aus, was der andere vorgemacht, vorgelebt und entwickelt hat.

Wenn man so will, sind also Guardiola und Ancelotti Komplementär-Träger des Erfolges. Co-Abhängig in der Zusammenarbeit.

Genial gemacht in der Ausführung, Ausdeutung und Kommunikation der Verantwortlichen! Und vor allem motivatorisch richtig.

Ancelotti wird die Saat ernten, die Guardiola gesät hat. Auf die nächsten drei Jahre wird er alles gewinnen. Und dann – wie beschrieben – dem nächsten „Change-Verdienten“ Platz machen. Das Stadion ist ja bereits Jahre vorher abbezahlt. Das schafft Raum & Luft.

Ob Agenda 2012 oder Agenda 2020 – ob in der Musik, der Kunst oder anderer Sportarten – überall wiederholt sich die Kommunikation der Geschichte.
Wir wollen das nicht wahrhaben, aber blättern sie selbst in ihrer Persönlichkeits-, und Firmengeschichte zurück.

Herzlich willkommen Carlo Ancelotti. Auf Wiedersehen Angela Merkel. Danke Uli Hoeneß.

 

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