Liebe Kunden und Freunde des gepflegten Kurzpassspiels,

aus aktuellem Anlass ein kritischer Zwischenruf

„Die Scheichs, Neymas Vater und die 222 Millionen“

Ich bin leidenschaftlicher Fußballfan. Ich kannte als Junge alle Spieler der BRD und auch der DDR.

Sparwasser und Pommerenke waren für mich genauso ein Begriff wie Grabowski, Libuda, Lorenz oder Tilkowski.

Als ich 16 war, kletterte ich heimlich über die Stadiongitter des Niedersachsenstadions in Hannover, um den Neueinkauf Jupp Heynckes zu bewundern, der mit Josip Skoblar bei den Roten ein magisches Duo bildete. Wir waren bettelarm. Aber zum Fußball wollten wir alle.

Später dann schaffte ich es bei Hannover 96 Stadionsprecher zu werden. Die Kritiker heulten auf, als ich mich abwerben ließ zu Eintracht Braunschweig.  Alles ehrenamtlich.

Ich saß mit Jogi Löw in der Sauna 2005 in Furteventura im Robinson Club, ich schätze Jörg Schmadtke vom FC, der es mit dem Trainer geschafft hat, in unserer Stadt Leistung mit Ruhe zu schneiden.Ein unvorstellbares Gut für eine ver-rückte Karnevals- und Fußballstadt.

Kein Stadion in Deutschland kennt diese Begeisterung wie beim FC.

Ich liebe die Underdogs, die mal aufdrehen und schreien. Die schwarzen elastischen Perlen wie Mame Biram Diouf, Ousmane Dembélé, Anthony Modeste und der unwiderstehliche Didier Drogba, der allein 27 Hilfsprojekte in Afrika unterstützt.

Ich liebe die U21, die unvorstellbar Spanien schlug und die Stindls und Goretzkas dieser Welt, die Fußballmärchen schreiben.

Fußball-Szenen setzen wir in Management-Trainings immer wieder ein, weil sie einem Unternehmen gleich agieren müssen, um erfolgreich zu sein. Mehr denn je zählt die Losung

Erfolg erfolgt immer gemeinsam.

Ich bin dafür, dass Uli Hoeneß in die nächste Regierung als Sportminister einzieht. Ich bin dafür, dass Kruse bei der WM Podolski ersetzen muss, um mit den Kollegen in Russland zwischendurch zu zocken. Ich bin dafür, dass Herr Opdenhövel mit Herrn Scholl endlich eine Pommesbude mit Olli Dittrich aufmachen sollte, aber TV-Verbot bekommt . Ich bin dafür, dass Gómez und Schürrle endlich in der Nationalmannschaft friedlich beigesetzt werden.

Alles das ist Fußball-Vielfalt: „Deutschland. Ein Sommermärchen“ hat es verstanden, zu integrieren, zu verbinden und Rassismus und Vorurteile aufzulösen. Chapeau.

Mittlerweile ist Fußball ein Wirtschaftsgut, was alle Grenzen sprengt. Wir wunderten uns schon über 100 Millionen Abfindung für Ronaldo, Bale und Pogba.

Jetzt ist ein Maß erreicht, was nicht mehr zu toppen scheint.

Barças Neymar soll für zweihundertzweiundzwanzig Millionen Euro an PSG

verkauft werden.

Die Scheichs würfeln mal wieder und haben beschlossen, CL-Gewinner zu werden. Zu tief sitzt das Aus letztes Jahr nach 4:0, dann 1:6 gegen Barca.

Vater Neymar, der Rädelsfüher, soll bereits 40 Millionen Euro Handgeld kassiert haben.

Der Spieler selbst soll 30 Millionen Euro netto im Jahr verdienen. Er ist 25.

Jetzt ist der Rubikon überschritten. Endgültig. Für mich.

Hiermit erkläre ich kurz und bündig, dass ich mich ab sofort der Champions League 2017/2018 verweigern werde. Das Maß ist überschritten. Eindeutig. Das kann ich nicht mehr vor mir selbst verantworten. Was sollen wir den Kindern und Jugendlichen sagen, die sich anstrengen und professionell trainieren, aber auch mit Werten wie Vertrauen, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit umzugehen haben.

Die Fußballwelt ist aus den Fugen geraten. So wie die politische Welt , die momentan am seidenen Faden hängt.

Jetzt habe ich endlich Zeit, mein Buch zu schreiben, mit Fußballuninteressierten am Champions League-Tag zu palavern, mein Schulprojekt zu gestalten und Gutes zu denken und zu tun.

Champions League Adé. Wir sehen uns wieder in einer anderen Welt.