Die Weltmeisterschaft 2014

Das Brasilien-Abenteuer für Jogis Jungs und seine Folgen:

Nach einer zu langen Fußball-Saison in den europäischen Ligen kommt jetzt noch die WM in Brasilien. Und diese ist überschattet von sozialen Problemen am Zuckerhut, den baulichen Unzulänglichkeiten und von verletzten Spitzenspielern, die völlig normal sind nach fast 60 Spielen im Jahr.

Messi, Falcao, Suarez, Schweinsteiger, Neuer, Thiago – alle verletzt.

Was kommt jetzt in der sauerstoffarmen Region um Rio? Die Erwartungen sind unermesslich hoch, doch jetzt muss man alle Nationaltrainer erst einmal in schützende „Vorbeugehaft“ nehmen:
Sie haben keine Schuld an der „Überspieltheit“ der Spieler und der Gier nach Geld und Macht und einer nie dagewesen Kapitalisierung des Gutes „Fußball“.

Deswegen wird auch diese WM nicht die Bedeutung haben wie sonst – sind die Vor-zeichen doch klar.

Brasilien wird Weltmeister mit den beiden besten Innenverteidigern der Welt.

Ein Spitzenmittfeld und HULK als Bulldogge im Sturm und der filigrane Neymar, obwohl er bereits von seinen Beratern bis auf den letzten Energietropfen werblich ausgenommen wurde.

Die Mannschaft wird‘s richten, ein Mix aus europäischem Bollwerk und südländischer Eleganz!

Es wird reichen. Und wenn nicht, helfen die Fans, das Wetter oder die Herren Blatter & Platini.

Was ist mit den Deutschen?

In Kurzform:

Zu viele Spiele in der der Saison!
Zu viele Verletzte!
Zu viele Ausreden!
Zu wenig „Kampfschweine“! (siehe Atlético)
Zuviel Nivea und „Schöne Ferien“.
Zu hohe Erwartungshaltung.
Zu viele Veteranen (Podolski, Klose, Mertesacker).
Zu dünne Luft.

Zu wenig EIN-SICHT:

Das Wahre und die Werte haben sich längst seit 2006 in Fußball-Deutschland entfaltet. Genauer gesagt über die Fußballnationalmannschaft. Erst 2006, als Schwarze zum ersten Mal unsere Farben vertraten, wurde der Rassismus wirklich in diesem Land weitgehend erledigt. Und die Welt verneigte sich vor den Deutschen.

Zu Recht. Aus dieser Melange des sozial-kommunikativen Transfers des Fußballs auf Gemeinschaft & Gemeinsinn zwischen allen Gruppen und Lebensgemeinschaften in diesem Land, einschließlich einer hohen weiblichen Erotik des Fußballs, haben die Farbenlehre mehr verändert als Schmidt, Merkel und andere Polit-Populisten.

Özil hat fast 19 Millionen Facebook Freunde. Das muss man sich mal vorstellen. Und was machen wir jetzt daraus?
Egal was wir jetzt anstreben und denken und machen: Wir brauchen jetzt eine außerordentliche Leistung aus Homogenität aber auch Heterogenität.

Der Wirtschaftsprofessor Sascha Schmidt führt aus:

„Wir brauchen im Fußball wie in den Unternehmen Ambidextrie. Das bedeutet, zwei gegensätzliche Dinge gleichzeitig tun. Exploit and explore. Ernten und Sähen. Wer nur erntet, dessen Feld ist bald leer. Wer nur säht, bekommt nie ein marktreifes Produkt, daraus wird dann auch kein Business Case. Jürgen Klinsmann hat die Strukturen im Fußball aufgerissen. Löw verstetigt eine erfolgreiche Entwicklung mit seiner Art der transformationalen Führung.“

Hört sich gut an, ist es auch, denn transformationale oder delegative Führung setzt ein hohes Maß an Vertrauen und Respekt voraus.

Moderne Unternehmensführer und CEOs von Hidden Champions streben alle transformationale Führung an. Das bedeutet, dass ein hohes Maß an vorbereiteter Übereinstimmung des Gesamtauftrages beim Umsetzungsprozess zwischen Führungsteam und Mitarbeitern hergestellt werden muss.

Erst die Ergebnisse werden dann wieder reflektiert. Der umfängliche Prozess wird selbstverantwortlich ausgeführt!

Das ist das Ideal, aber wann muss der Trainer eingreifen? Wann ist er Coach, Spielertrainer, Dirigent, Motivator?

Für mich ist er nach dieser Saison ein Mittelding aus Simeone und Guardiola.

Beide erzeugen nach genau besprochener Ausgangslage mit ihren Spielen ein extrem hohes Maß an Selbst- und Mitverantwortung bei ihren Spielern in der Quadratur des Rasens. Beide arbeiten dahin ergebnisorientiert mit einem begleitenden Maß an rhetorischer und emotionaler Anteil-Nahme.

Beide sind MIT-Spieler ohne mitzuspielen.

Kann Löw das auch? Die Antwort lautet klar: „Nein!“

Jogi Löw ist in Klinsmann‘s Gnaden erschienen, ein Freiburger Lokaltrainer, der die Taktik des „unglücklichen“ Klinsmann spielte mit einer Spielergeneration, die es noch nie gab in diesem Land.

Bis heute ist der Fall Ballack/Löw oder Fall Frings/Löw oder besonders der Fall Kissling/Löw vom Bundestrainer nicht wirklich kommunikativ geklärt worden.

Da kann man so manche Fehlentscheidung in der Taktik (Schweden/Italien) von Jogi dranhängen. Jogi Löw konnte und kann nicht kommunikativ Führen. Und er kann nicht, wie Prof. Sascha Schmidt erläutert, transformational Führen. Es wäre ja schön, wenn er es könnte, aber er wird es nicht mehr lernen!

Jogi Löw führt im Prinzip dirigistisch ohne Vertrauen an Outsider, Kampfschweine und anders Gesinnte, die aber extreme Leistungen bringen. Er kann nicht ANDERS-Denkende zusammenführen.

Jogi Löw ist bis heute misstrauisch und wähnt sich immer auf der Seite derer, die sich permanent entschuldigen müssen, weil sie nicht konstruktiv kritisch mit sich und ihren Fußballgöttern umgehen können.

Misstrauen ist der erste Totengräber eines Teams.

Dazu sieht er sich 85 Millionen Fußballtrainern in Deutschland gegenüber, mit denen er nicht umgehen kann. Ihm fehlt die kommunikative Intelligenz, ihm fehlt der Gesamtüberblick, ihm fehlt wirkliche und wahrhaftige Leidenschaft, ihm fehlt die „Leichtigkeit des Fußball-SEINS“.

Ihm fehlt das Rück-Rad eines großen Trainers. Dabei hat er den besten Job in Deutschland: 2,8 Millionen Euro Fixgehalt und 10 Millionen Euro pro Saison von Nivea, TUI, Commerzbank etc. So etwas kommt nie wieder. So  kann man in schöner Regelmäßigkeit B-Mannschaften schlagen und verhungert nicht.

Daher hat er nur eine Möglichkeit nach der WM, egal wie sie ausgeht für Deutschland:

  • 1. Wird er Weltmeister, was ich nicht glaube, muss er zurücktreten. Denn das wäre nie wieder schaffbar für ihn.
  • 2. Scheidet er früh aus, wovon ich ausgehe, muss er zurücktreten.

Von Jogi Löw bleibt, dass er als einziger bisheriger Trainer eine große und extrem spielerisch ausgebildete Fußballbande um sich herum hatte, er aber niemals was daraus gemacht hat, was er hätte erreichen können. General und Philosoph Sunzi gab dafür zwei wichtige Regeln 2500 v. Chr. aus:

„Der vollendete Anführer hütet das Gesetz der Moral und achtet streng auf die Methode und Disziplin; so liegt es in seiner Macht, den Erfolg zu bestimmen. Aber überlege jede Bewegung ganz genau. Siegen wird, wer den Kunstgriff der Täuschung beherrscht. Dies ist die Kunst des Manövrierens.“

Bleiben sie elastisch und gelassen. Es war wieder ein starkes Stück Arbeit.

Ich freue mich auf Ihre Reaktionen!

Beste Grüße und eine gute Zeit bis 2015!

Ihr und Eurer Christoph Schwab

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