Liebe Geschäftspartner und Freunde des gepflegten Kurzpassspieles, mein dritter offener Brief folgt an Franz Beckenbauer. Hier werden jedesmal (völlig) missglückte Kommunikations Aktionen gewürdigt. Heute betrifft es vor allem die Medien…. Ihnen eine gute Zeit. Merry christmas und happy new Year 2018

Lieber Franz Beckenbauer,

ich erinnere mich noch genau als wir uns kennenlernten. Ich moderierte eine grosse Mercedes Benz Autohaus Eröffnung in Lübeck und Sie waren als Stargast angekündigt. Damals Testemonial von Mercedes Benz. Wir hatten keine Zeit für ein Vorgespräch. Sie kamen aus der „Tiefe der Ausstellungshalle“ und wir gingen direkt „kalt“ ins Interview vor ca. 2000 Gästen.

Es war so wie Sie immer gespielt haben, leicht, einfach, locker, verbindlich, vertraut. Als wenn wir uns immer

Gekannt hätten, präsentierten wir die Neuigkeiten rund um das Autohaus und ihr Leben. Einfach nur  „leicht“

Sie zeigten mir hiernach ihr Auftragsbuch ihres Ziehvaters, Beschützers, Abräumers, Verteidigers und Aufbauers:

Robert Schwan.

So etwas hatte ich noch nie gesehen, wie ausgebucht sie immer waren. Robert Schwan lernte ich dann noch kurz vor seinem Tod bei Müller-Wohlfahrt in München kennen, bei dem ich 2000 lange in Behandlung war, um den NY Marathon am 4.11. 2001 laufen zu können.

Sie waren immer eine Lichtgestalt. Ihr leichtes Spiel, Ihre Grazie des Körperfeelings, ihre fast schwerelose Wendigkeit, Ihren Überblick und die Genauigkeit Ihrer Pässe.

Einfach einmalig.

Sie wurden in  den Olymp des Fussballhimmels gehoben, sie waren dann die beliebteste Werbe-Ikone in den letzten 30 Jahren.

Sie avancierten zur absoluten Produktprostituierten von Suppen, Autos, Handies, Soft,- und Hardware und Botschafter in Sachen Weltfussball. Sie scheffelten hiernach die Millionen. Wie Dagobert Duck.

Nie wussten Sie wirklich, wo Sie waren, Sie hatten nie den Überblick, immer waren Sie für das da was Ihnen Robert Schwan und später dann Marcus Höfl später anboten.

Sie lebten Fussball von Kindesbeinen, Sie lebten das danach dann genauso. Sie setzen sich ein für alles und nichts auf der Welt. Ob in Unterhaching oder New York. Alles rund um Werbung, Verpflichtungen, Verträge, Vereinbarungen machte sie zum Servermechanismus ihrer Selbstbestimmung.

Bei Umfragen der Deutschen, wen Sie  als Bundeskanzler wählen würden, waren Sie und Günther Jauch ganz weit vorne.

An einem Event sahen wir uns wieder und ich fragte Sie nach Ihren Kindern.

Da bekamen sie Tränen in den Augen und überlegten kurz:“ Ja, als ich jung war habe ich alles vernachlässigt. Das bedaure ich noch heute. Aber jetzt im hohen Alter, kann ich die Kinder richtig geniessen und mich darum kümmern.“

Das beeindruckte mich wieder als Sie mir von Ihrem Landleben in Kitzbühl erzählten.

Dann kam das Sommermärchen 2006. Der Vater: Franz Beckenbauer. Der alles veranlasste, der alles organisierte, der den Weg ebnete, dass Deutschland die WM nach Deutschland holte.

Das war ein Quantensprung in diesem Land. Alles aber auch alles spielte mit.

Man jagte die Altvorderen vom Hof und ließ Klinsi ran. Nach der Kokainaffäre sollte es ja eigentlich Christoph Daum richten. Die Organisation war perfekt. Ich war bei allen deutschen Spielen über den Hauptsponsor dabei. Das Wetter war göttlich. Sie flogen mit dem Heli von Spiel zu Spiel und sagten später:

„ Ich wusste gar nicht, wie schön Deutschland von oben ist.“

Die Internationale Presse feierte zum ersten Mal die Deutschen als beste Gastgeber, tolerant, weltoffen die Nationen empfangend. Die Fanmeilen der Städte waren einzigartig.

Wir hatten zum ersten Mal Farbige in den Reihen der deutschen Nationalmannschaft.

Das war der Durchbruch und die wirklich endgültige Beerdigung der Folgen des 2. Weltkrieges.

Die ganze Welt zollte den Deutschen Lob für diese WM . Ich behaupte: Erst jetzt waren wir im Konzert der grossen Länder und Nationen angekommen auf Grund der unvorstellbaren Gastfreundschaft, die Deutschland bei der WM 2006 zeigte.

Das alles wäre ohne Sie ,ohne Franz Beckenbauer nicht möglich gewesen. Ein  Leben für den Fussball, ein Leben für die Leichtigkeit, ein Leben für die „Toleranz der Andersartigkeit“.

Dann wurden Jahre später Recherchen angestellt. Der DFB Präsident musste gehen, viele Vorwürfe wurden laut.  Er versagte kläglich. Die WM wäre verschoben worden.

Sogenannte investigative Journalisten stellten Untersuchungen an, um Ihnen nunmehr nachzuweisen, Sie hätten das Sommermärchen nur durch Korruption ermöglicht.

Die Dokumentation am 19.12 in der ARD schildert Sie als gebrochenen Menschen.

Unvorstellbar. Unglaublich, was da alles geschrieben und gemutmaßt wurde.

Das hat mich bestürzt .

Hier kam die grosse „Lust am Denkmalstürzen“ durch, so wie es Marcel Reif bezeichnet.

Das können und wollen die Deutschen – die Grossen Grössen – stürzen. Über Marcel Reif hatte Beckenbauer mal im Sportstudio gesagt. „ Lassen sie Fussballkommentare und machen Sie lieber in Kultur.“ Grossartig.

Der gesamte Bericht zweier Jorunalisten war ausgerichtet, um die Lichtgestalt Beckenbauer zu beschädigen, anzugreifen und letztlich zu vernichten.

Ich habe sie 30 Jahre quasi begleitet, manchmal mehr (bei der Tournee mit Mercedes Benz) manchmal weniger.

Sie waren immer im Einsatz für den Fussball und letztlich für Ihr Heimatland. Sie konnten sich nie bremsen, sie hatten damit auch nie den Überblick, wie denn auch, und sie haben sich immer auf Freunde und Vetrauensleute verlassen. Zu recht.

Ich glaube Ihnen, dass Sie bis heute nicht wissen, was da eigentlich wirklich schief gelaufen sein soll. Und viele Deutsche ebenso.

Ich bin heute ihr Links,- oder Rechtsverteidiger. Kommunikativ.

Ein Mann der 18 Stunden am Tag arbeitet, kann nicht alle Details wissen. Dafür hatten Sie ihre Leute.

Da kommen zwei Spiegel Journalisten und richten den Stab über Sie. Ohne wirkliche letzte und zwingende Beweise.

Das ist Deutschland 2017.

Man neidet. Man zerstört. Man liebt den Untergang. Man will immer vernichten.

„Leiden und lamentieren ist leichter als Handeln“, ist eine der Hauptdevisen  in diesem Land.

Man wirft Ihnen „beispiellose Zerrisenheit“ vor. Kein  Wort davon glaube ich.

Pault Breitner der Che Guevara Fussballer verteidigt Sie intelligent und unorthodox. Lothar Matthäus macht es limitiert aber auch gut und Ihr Freund Starkoch Alfons Schubeck attestierte ihnen die bespiellose „personifizierte Perfektion“ nach aussen, der die Details daher auch niemals wissen konnte. Und wollte.

Das kann man mehr als verstehen..

Lieber Franz Beckenbauer.

Sie sind neben Pele, Maradonna, Cruyff, Messi ,Ronaldo  der „Fussball-Künstler“ des Jahrhunderts.

Keiner der Genannten hatte und hat die „Leichtigkeit des Seins“ ,die sie auf dem Spielfeld hatten.

Sie sind und bleiben unerreicht.

Wenn ich der Advocatus diaboli wäre, würde ich Sie hiermit frei sprechen von angeblichen Verfehlungen und bin stolz auf den Mann , der das Sommermärchen

2006 ermöglichte und die damit verbundenen unübersehbaren, unvorstellbaren Wahrnehmungsebenen, die fortan Deutschland  widerfuhren.

Im Ausland reibt man sich verwundert die Augen, wie man in  diesem Land die wahren Ikonen zerstört.

Hier ist das Wasserglas immer leer, hier wird geneidet bis zum

„Geht- Nicht-Mehr“.

Hier greift die Weisheit Christian Morgensterns:

„Weil so schließt er messerscharf, nicht sein kann was nicht sein darf“

Ich habe zwei Jahre in den USA gelebt. Da ist man stolz auf seine Heroen und würdigt Sie bis sie von uns gehen auf der „Hall of Fame“. Verfehlungen und Fehler eingeschlossen.

Hier zerstört man die Menschen  so, daß sie sich von Vornherein alle verleugnen lassen (müssen).

So was nennt man Doppelmoral.

Nur einer konnte sich dem entziehen: Altkanzler und Weltmann Helmut Schmidt schaffte es, sich dem zerstörerischen Denken der Deutschen zu entziehen.

Lieber Franz Beckenbauer. Ich wünsche Ihnen, dass Sie den Weg in die Kitzbühler Landwelt mit Ihrem Berna Sennenhund und den Kindern schaffen. Sie sind und bleiben für mich der grösste Fussballer auf und neben dem Spielfeld der in den letzten 100 Jahren auf den blauen Planeten geboren wurde

In Zeiten ,bei denen ich für Partner grosser Dax- Unternehmen nur 5 euro als Geschenk ausgeben darf und 98 Euro für eine Vip Karte  als geldwerten Vorteil anmelden muss bei einem Fußballspiel, kommt mir nur eine Aussage in  den Sinn. Die ist von Heinrich Heine:

„Denk ich an Deutschland  in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“

 

Von ganzem Herzen Ihr Christoph Schwab

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