Zum Tode von Altkanzler Helmut Kohl

Liebe Geschäftspartner und Freunde des gepflegten Kurz-Passspiels,

wie angekündigt der erste neue BLOG.

Er wird immer zu wichtigen aktuellen Anlässen aus kommunikations-relevanter Sicht erscheinen.

Schnell, persönlich, kompetent auf den Punkt – Big Picture – immer.

Pragmatische Reflexion und anwendbare „lessons learned“.

Der erste Blog nun zum Tode von Altkanzler Helmut Kohl.

Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Beste Grüße und eine gute Woche

Ihr Christoph Schwab und DSM-Team 2017

 

 

Unprätentiös, empathisch, pragmatisch,

beharrlich & durchsetzungsstark = nachhaltig

Das Kommunikationssystem Helmut Kohl kannte nur eine Richtung:

Das vereinte starke friedliche Europa.

 

 

Am 10. November 1989 hatte ich Frühschicht bei Deutschlands zweitgrößtem privaten Rundfunk.

News. Halbstündlich. Ab 5:00.

Um 0:22 morgens tickerte es weltweit über die Agenturen:

Die innerdeutsche Grenze zur DDR wird in Ostberlin geöffnet.

Ungläubigkeit & Fassungslosigkeit machten sich in der Redaktion breit:

Wir konnten es alle nicht glauben, was da passierte.

Um 9 Uhr brachen bei uns alle Dämme.

Normalerweise jagten wir „state of the private art

die News in max. 2:00 Minuten in den Äther:

Ich entschied eigenmächtig, die Nachrichten auf insgesamt zehn Minuten zu ziehen

und die unvorstellbaren Ereignisse irgendwie zusammen zu kriegen.

Immer wieder von Emotionen geschüttelt:

Gänsehautfeeling und ständig mit Freudentränen ringend.

Der Rest ist bekannt.

Wie schaffte „Helle“ – wie ihn Freunde nannten – Helmut Kohl diese Bewegung

erst in dem geteilten Deutschland und dann in Europa?

Grundvoraussetzung waren seine Kriegserlebnisse und sein Credo:

 

„Nie wieder Krieg“ in Deutschland und Europa.

 

Helles“ motivationales Standbein waren Machtbewussheit, Empathie, Führungsanspruch.

Dazu sein Spielbein Pragmatismus, Beharrlichkeit und Umsatzstärke.

Der beste Vertriebschef eines Produktes, den man sich vorstellen konnte:

 

Das Produkt „geeintes Europa“:

Ein schier unmögliches Unterfangen war seine Lebensaufgabe.

 

Wie er dabei die Alliierten anging und hochempathisch von der deutschen Einheit überzeugte,

wird in der Geschichte EINZIGARTIG bleiben.

Wie er die Eiserne Lady Maggie Thatcher „becircte & isolierte“,

wie er Mitterand „Hand in Hand“ in Verdun aufschloss und sich der großen Idee hingab,

wie er den amerikanischen Präsidenten George H.W. Bush sen. auf seine Seite zog

und den Nato Doppelbeschluss gegen 300 000 Demonstranten in der Bundesrepublik

im Sinne der Vereinigten Staaten durchzog und dadurch eine „Win-win-Situation“ schuf,

war immer seinem hochemotionalen Grundinstinkt für Beziehungsgeflechte

und deren Folgen geschuldet.

Als er dann noch im Kaukasus in der Natur dem russischen Präsidenten

Michail Sergejewitsch Gorbatschow 1990 ein „Ja“ zu Gesamtdeutschland abrang,

komplettierte das einen Soft Skill-Merger der besonderen Art:

Aus einem einzigen Motiv vier unterschiedlichste soziale, psychologische, kommunikative Kulturen

gegenüber hegemonialen Bedenken

zu denken, zu gestalten und tatsächlich mit seinem Team durchzusetzen,

ist die ureigene Lebensleistung von „Helle“ und wird fortan mehr denn je den „Führern der Welt“

und den CEOs der großen Unternehmen als Spiegel vorgehalten werden:

Wenn es um die wahren Interessen einer großen Aufgabe geht.

Fernab jeder Ich-Zentrierung und des Narzissmus von Eigeninteressen.

US-Präsident Bill Clinton sagte 2011 über „Helle“  bei der Verleihung des

Henry-Kissinger-Preises in Berlin: 

 

„Manchmal sitze ich da und liste auf, was ich außenpolitisch alles getan habe.

Und ich stelle nun, an der Schwelle zum Alter fest, durchaus stolz, dass ich in allem,

was ich tat, nur Helmut Kohl folgen musste. Ich wusste, er hatte die Vision,

er hatte die Befähigung, die Überzeugung. Mit ihm begann das 21. Jahrhundert.“

 

Helmut Kohl ist für mich der erste wirkliche politische Moment Manager gewesen.

Mit extrem hohem Risiko und Mut ausgestattet,

gepaart mit einem untrüglichen Instinkt für die europäische Sache,

war er sprichwörtlich im Momentum der Zeit mehrfach an der entscheidenden Stelle:

 

Und ENTSCHIED.

 

Dass er dabei öfter Regeln brach, wird geschichtlich unerheblich bleiben.

Dass er Michail Gorbatschow erst unterschätzte, ebenso:

Du kriegst immer eine zweite Chance, war auch hier sein Motto

und die nutzte er dann legendär im Kaukasus.

Dass er dann in der Win-win-Situation Deutschlands liebstes Kind, die DM, opferte für den

bis heute ungeliebten Euro, wird historisch als Versöhnungsgeste eingehen.

Volkswirtschaftlich natürlich nicht: Zu unausgegoren waren die

finanzpolitischen Schnellschüsse seines Generals Theo Waigel.

Anyway.

Dass er auch anstrengend, jähzornig, misstrauisch und auch nachtragend sein konnte,

machte ihn in jeder Phase für die Welt und den „gemeinen deutschen Bürger

menschlich und berechenbar.

Helmut Kohl stand für drei Leitsätze seines Lebens:

 

„Die Pfalz ist meine Heimat“

„Deutschland ist mein Vaterland“

„Europa ist meine Zukunft“

 

Helmut Kohl nahm der Welt eine nach dem 2. Weltkrieg innewohnende Angst

vor einem „überstarken Deutschland“.

Die grundsätzliche Aussöhnung mit Israel war für ihn genauso wichtig.

Die Juden danken es in besonderem Maße.

Kurios, aber folgerichtig dabei:

Die endgültigen Bedenken gegen dieses Deutschland wurden dabei 2006

wie ein „Gordischer Knoten“ gelöst bei der Fußball-WM im eigenen Land:

Die junge Multikulti-Truppe von Klinsi (mit farbigen Akteuren) deckelte positiv

„Helles“ offenes freies Europa,

in dem Deutschland als empathischer Gastgeber auch die härtesten Kritiker weltweit überzeugte.

Viele internationale Bedenkenträger wurden hier endgültig „Fans“ eines weltoffenen Deutschlands.

Dass er dabei privat letztlich scheiterte und zum Schluss neun Jahre schwer krank war,

ist schon fast folgerichtig, da er sein Leben grundsätzlich der

europäischen großen Sache verschrieben hatte.

Helmut Kohl war nicht besonders intellektuell,

radebrechte sich im besten Pfälzer-Deutsch durch die Welt

und ließ die wissenschaftlichen Brains dieser Erde staunen.

Sie unterschätzten diesen „Schwarzen Riesen“ aus Ludwigshafen grundsätzlich immer.

Obwohl historisch ein wandelndes Lexikon.

Dass sich dann Deutschlands großer Philosoph Jürgen Habermas

quasi nach dem Vollzug der Deutschen Einheit bei ihm entschuldigte,

rückte ihn dann dahin, wohin er gehörte.

Dass ihn sein Ehrenwort in der Spendenaffäre, die Spender nicht zu nennen,

das Ehrenamt in der CDU kostete und von „allen Seiten“ Häme kübelte,

macht ihn für mich nur noch größer:

 

„Ein Staatsmann – ein Ehrenwort. Das ist wahre Größe.“

 

Er trotzte immer den „Medienhyänen“. Gab dem „Spiegel“ nicht ein einziges Interview

und hielt deren Verleumdungen & Verunglimpfungen 16 Jahre lang und länger aus.

Sie wollten ihn ja – nach eigenen Aussagen – „zur Strecke bringen“.

Das macht ihn angesichts des heutigen Medienhypes für mich nur noch größer.

Im Nachkriegsdeutschland bis heute stehen zwei überragende Politiker in Tatkraft, Authentizität,

Hingabe und Demut für Deutschland und Europa

historisch unverbrüchlich „Schulter an Schulter“ in einer Niveaulinie:

 

Helmut Kohl & Helmut Schmidt.

So unterschiedlich auch beide waren.

 

Beide sendeten und lebten das wichtigste,

was ein Mensch, ein Führer senden kann: VERTRAUEN.

Als Mitarbeiter Helmut Kohls einmal im Weißen Haus in Washington

einen Zehnpunkteplan zur Wiedervereinigung ansprachen,

fragte  Präsident Bush sen. in die Runde:

„Kennen wir den Plan?“ –  „Nein“, hieß es darauf.

Der Plan lag zwar vor, ihn hatte aber noch keiner zur Kenntnis genommen.

Bush antwortete spontan:

Sagen Sie einfach, wir vertrauen dem Bundeskanzler!“

 

Gerade in diesen Tagen können sich die verschiedensten Mainstream-Politiker wie

Wirtschaftskapitäne auf dem internationalen Parkett

eine riesengroße Scheibe in deren Vorbildfunktion abschneiden.

Für viele werden Empathie, echtes Teamdenken & Handeln, Feedbackmanagement, Nachhaltigkeit,

Verbindlichkeit, Durchsetzungsstärke, Mut & Entscheidungsfähigkeit, Demut und Hingabe

auch nur ansatzweise unerreicht bleiben.

Die Kämpfer- und Nehmerqualitäten haben Helmut Kohl & Helmut Schmidt beide bis zum Tod

beeindruckend handelnd unter Beweis gestellt.

„Erst ignorieren Sie Dich!

Dann lachen Sie über Dich!

Dann bekämpfen Sie Dich!

Und dann gewinnst Du!“

Mahatma Ghandi

7 Kommentare
  1. John
    John says:

    Lieber Christoph,
    empathisch, klug, kompetent … einfach großartig.
    Chapeau!
    Freue mich auf unser Treffen am 29.!
    Herzliche Grüße
    Thomas

    Antworten
  2. Andreas Matthis
    Andreas Matthis says:

    Also ich tue mich immer schwer mit der Idee, das einzelne Leute so Großartiges geleistet haben. Das wäre wie wenn ich mir alleine den Erfolg des Unternehmens zuschreiben würde, in dem ich Geschäftsführer bin. In Führungspositionen, vor allen auch politischen, geht es in erster Linie um Macht und Einfluss und dann im weiteren Verlauf auch darum, für das eigene Ego etwas Großartiges zu leisten, damit man ggf. sogar in die Geschichte eingeht. Kohl war wie die meisten anderen Politiker auch ein Machtmensch. Wer weiß, wie ein Politiker ganz oben an die Spitze kommt, weiß, dass er nicht durch Altruismus da hinkommt. Wir können das idealisieren und schönfärben. Für mich verändern und bewegen viele Menschen Dinge, nicht einzelne. 32 Millionen Menschen alleine in Deutschland gehen einer ehrenamtlichen Tätigkeit nach. Sowas finde ich erwähnenswerter.

    Antworten
    • Rainer Beckmann
      Rainer Beckmann says:

      Dieser Kommentar hinterlässt den Eindruck, dass der Erfolg seines Unternehmens nicht weil, sondern obwohl er dort die Geschäfte führt, begründet ist. Schade, dass man außerordentliche Leistungen nicht erkennen kann oder will !

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  3. Andreas Backhaus
    Andreas Backhaus says:

    Lieber Christoph, danke für deinen akzentuierten Rückblick auf Helmut Kohl, die mir viel gegeben hat. Er zeigt wie unterschiedlich die Einschätzung solcher Persönlichkeiten während ihres Wirkens und der anschließende historische Rückblick aussehen können. Ich hatte seinerzeit ein sehr anderes Bild von Kohl.
    Gruß, Andreas

    Antworten
  4. Thorsten Arnhold
    Thorsten Arnhold says:

    Sehr guter Beitrag! Für mich als Jugendlicher in der ehemaligen DDR war Helmut Kohl immer ein Hoffnungsträger der mich von einer Zukunft in der freien westlichen Welt träumen ließ, ohne dass ich mich klamheimlich ohne Chance auf Wiederkehr aus meiner Heimat stehlen müsste. Dafür bin ich ihm sehr dankbar! Leider fällte mir aus der heutigen Politikerschar kein einziger ein, der in einer ähnlichen Situation eine vergleichbare Rolle spielen könnte.

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