Was haben Meinhard Miegel & Michail Chodorkowski gemeinsam – die Botschaft des Monats

„Die Menschen müssen sich wieder mehr ihrer selbst bewusst werden, still werden, in sich hineinhören, ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen, sich als Teil eines größeren Ganzen verstehen“, fordert der renommierte Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel (MM) im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger am 22.6.2014.

Der vielleicht berühmteste Inhaftierte im russischen Gulag (willkürliche 10 Jahre Straflager) Michail Chodorkowski (MC) schreibt in seinem schmalen Büchlein „Meine Mitgefangenen“:
„Manchmal erscheint das Gefängnisgeschehen wie ein ins Groteske gesteigerte Modell unseres normalen Lebens jenseits der Mauern. Selbst in der Freiheit ist bei uns ein krimineller Erpresser nur schwer von einem Vertreter des Staates zu unterscheiden.“

MM brandmarkt in seinem Buch „Hybris – die überforderte Gesellschaft“ den Größenwahn und die grenzenlose Selbstüberschätzung der Menschen, die Entfesselung der Finanzmärkte, unkontrollierbare Datenmengen und aus dem Ruder laufende Großprojekte.

Da schneiden sich messerscharf zwei Welten: MC hinterfragt mit dem Mitgefangenen Schäfer Lyoscha, ‚Was ist eigentlich das Gewissen?‘ Wie definieren wir, was gut ist und wofür schämen wir uns ein Leben lang?

Wann siegt das Gewissen über die Angst und wann die Angst über das Gewissen?

Und MM berichtet von einem buddhistischen Mönch, der Topmanagern wieder beibringt, zu hören, zu sehen, zu riechen und zu schmecken.

Beide Bücher fragen einerseits eindringlich, ob die Spezies Mensch tatsächlich in der Lage ist, selbstbestimmt dem krebsartigen Wachstumsprozessen der Welt ein neues ethisches Paradigma anzubieten und anderseits aus dem „gefangenen Dilemma“ der unbarmherzigen Isolation wirklich ein beherrschbares Freiheitsszenario zu bauen.

Aufrüttelnd – Spannend – Mitreißend – sensibilisierend – demütig.

Beide Bücher gehören in das kommunikative Sommergepäck 2014!

aber die Hungrigen scharren in den START-Löchern…

„Ich habe zu lange am Erfolg 2008, 2010 und 2012 festgehalten“, seufzte der gutmütige Bernhardiner Vicente del Bosque gestern Abend in der Kabine der Spanier seinem Co-Trainer zu. Eigentlich sah er dabei aus wie immer.

Auch in dem letzten Jahrzehnt vorher. Zu perfekt lief die „blinde Kommunikation“, der „unendliche Kreisel der Erfolge“, der „Nimbus der Unbesiegbarkeit“.

Die gesamte Mannschaft und ganz Spanien hatten diesen Weg automatisiert.

Ein Gross-ARTiger!

Dazu brauchte es drei wichtige Faktoren:

1. Die Ein-Stellung

Die Einstellung zu „mir selbst“ und zum Partner/Gegner und zu meiner Interaktion.

Hatten die Spieler wirklich diese notwendige Ein-Stellung? Wollten sie wirklich gewinnen? Wollten sie sich wirklich quälen?

2. Die Präsenz

Wie kamen die Spieler auf das Feld? Wie sprachen die Spieler miteinander? Wie nahmen sie sich selbst wahr und vor allem wie die Gegner und das Publikum? Welche Kraftreserven brachten sie wirklich ein? Wo waren sie nach einer langen Saison mit ihren Gedanken eigentlich?

3. Die Kommunikation

Fand eine proaktive Kommunikation aller Leistungsträger wirklich statt? Konnte der erfahrene Trainer bei seiner Mannschaft noch einmal nach 2008, 2010 und 2012 das innere Feuer entfachen? Haben sich die Xabis, Iniestas, Xavis wirklich abgesprochen oder „gingen Sie einfach davon aus“, das würde schon klappen – halt wie immer…?

Der Weltmeister hatte sich das ganz anders gedacht. Gegen die Niederländer wollte man sich in ein Unentschieden retten, die Chilenen hat man ja immer schon geschlagen und der Rest wird schon „fließen“… Halbfinale – kein Problem…

Kennen wir solche Situationen nicht auch, wenn wir in Gespräche, Meetings, Präsentationen, Konferenzen und Vorträge gehen, die ja eigentlich immer perfekt liefen in den letzten Jahren? Und dann auf einmal kommt das „Bessere“, das „Andere“… das Schnellere…?

Die Holländer haben völlig unbekannte junge Spieler von Feyenoord und Ajax in die Mannschaft um van Persie, Sneijder und Robben gebaut. Van Gaal hat gezeigt, wie er den „Moment des Wechsels“ der Generationen beherrscht.

Gegen den erbitterten Widerstand seiner Landsleute übrigens. Er wird Manchester in die neue Fußball-Welt führen. Entdeckte u.a. die urwüchsige andere Kraft des jungen Thomas Müller.

Die Chilenen sind seit eher stark, aber in diesem WM-Jahr besonders:

„Wir haben den unbändigen Willen zu siegen“, raunte ausgehungert Alix Sanchez ins Mikrofon. Und noch so viele Rechnungen offen.

Sie adaptierten den Stil von Atlético Madrid perfekt, das ja Real Madrid am Rande einer Niederlage im CL Finale hatte.

So spielt man gegen einen Weltmeister, der im Kern gar nicht wusste, was er eigentlich gewinnen sollte. Oder?

Die Spieler sprachen kaum miteinander, sie hatten ja das Sprechen verlernt; die Spieler erkannten die Gegner nicht mehr, die sich alle stetig weiterentwickelt haben. Warum auch? Irgendwie haben wir es ja immer geschafft… Und die Spieler nahmen sich teilweise selbst nicht mehr wahr, denn 34-jährige „satte Dauersieger“ bewegen sich irgendwann halt anders als „hungrige junge Hochlandartisten“.

Die ganze „Ohn-MACHT „einer minimierten Ein-Stellung und Präsenz“ präsentierte gestern Abend der ehemalige Welttorhüter Iker Casillas stellvertretend für die gesamte Mannschaft: „Der Blick in die energetische & kommunikative Leere“ während des Spiels.

Der größte Klebstoff erfolgsverwöhnter Menschen und Spieler ist eine „Sieger-Gewohnheit!“

Wer jetzt glaubt, dass der spanische Fußball, der uns 10 Jahre hat staunen lassen, vorbei ist, irrt gewaltig. Erfolge brauchen Nieder-Lagen. Manchmal extreme, aber dann kommen die Thiagos, Kokes, und Iscos und Spanien wird stärker als vorher.

Mit einem David de Gea (22) für Iker, den scheinbar unbesiegbaren Helden einer ganzen Generation.

Ich verneige mich vor der spanischen Spiel-Kultur. Und vor ihrem feinen Señor del Bosque, der tragisch-anrührend gestern Abend als Mittelding des großen Jean Gabin und Pfarrer Sommerauer bedeutungsschwer nuschelte: “Wir müssen darüber nachdenken, was das Beste ist für den spanischen Fußball!“

Der etwas andere Bundesligajahresrückblick der Saison 2012/2013

„Er muss sich schon fragen, warum die Spieler eine Party feiern, wenn er geht.“

Bayern-Präsident Uli Hoeneß über den bei VfL Wolfsburg entlassenen Trainer Felix Magath

„Ich beschäftige mich nicht mit diesem Zeug, das verwirrt mich nur.“

Christian Streich am 22. Spieltag zu einer möglichen Europapokal-Teilnahme des SC Freiburg

„Ich gehöre nicht mehr dazu“, weinte und buhlte Uli Hoeneß in der „Zeit“ nach dem Auffliegen seines Zocker-Skandals um seine treuen Fans.
Christian Streich flog an der Seitenlinie praktisch seinem „Spiel nach“, mit Blutdruck 240 immer wieder zwischen aufgerissenen Augen und Genie hin und her!
„Schreib mir einfach rein, was ihr mir geben wollt“, raunte Peter Neururer bei seinem Engagement in Bochum zu seinem Gehalt seinen psychosozialen Rettern zu, „denn über drei Jahre im Abseits machen einen schon total verrückt“.
Was treibt diese Magier der Macht, diese wahnsinnigen Lichtgestalten der Droge des „Rundes Leders“ in die Katakomben der Stadien und in die „Fänge des Fernsehens“. Warum prostituieren sie sich in der multimedialen Macht der Medien bis zur seelischen Selbstverstümmelung? Das Ergebnis ist relativ einfach, wie so viele geniale Dinge im Leben „immer“ einfach sind.

Der Necker-Würfel:

Der Schweizer Physiker Albertz Necker erkannte 1790, dass der dreidimensionale Würfel immer wieder die Wahrnehmungsperspektive zwischen zwei „Ansichten“ wechselt. Dabei ist für jede der beiden Ansichten ein spezifischer physiologischer Vorgang zuständig! Nach einer begrenzten Zeit tritt eine neuronale Ermüdung ein, dann springt die Wahrnehmung auf die andere Perspektive um.